Sonntag, 30. April 2017

Freiheit oder doch System?

Ich habe vor einiger Zeit ein Lied gefunden, das mich dazu gebracht hat, über meine eigene Freiheit nachzudenken. Es heißt "Frei" und wird von Michi Bauereiss gesungen.

"Ich bin gekommen um alles aufzugeben 
und wenn ich nicht gewinn verlier ich eben!
Ganz egal was kommt ich halt dagegen,
ich fackel alles ab und schrei:
ICH BIN FREI"

Weißt du, jeder möchte im Leben frei sein; er selbst sein. Aber nur den wenigsten gelingt es wirklich, da wir alle "gefangen" sind, ohne es überhaupt zu wissen. Und wenn wir doch mal einen Geistesblitz haben und es erkennen, dann akzeptieren wir es nicht und reden uns heraus. Der Mensch bildet sich nämlich tatsächlich ein, er wäre unabhängig und ein Individuum. In Wahrheit ist er aber nur ein Teil von einem System, das alle beherrscht und sie dazu zwingt, zu funktionieren. Schwäche zeigen darf man hier nicht. Du wirst mir jetzt vielleicht an dieser Stelle widersprechen und sagen, dass das nicht stimmt. Vielleicht hast du Recht, vielleicht aber auch nicht. Ich bin jedoch der Meinung, dass es stimmt. Wir leben in einem perfekt geplanten System und das ein Leben lang!

Für unser Leben gibt es Abläufe, Regeln, Gesetze und Normen. Wir halten uns daran, weil wir Angst haben, dass uns jede Unebenheit auf diesem Weg ins Schleudern bringen könnte. So lassen wir uns vorschreiben, was von uns erwartet wird und erfüllen es. Beispielsweise müssen wir eine Ausbildung oder ein Studium bestreiten und das mit den bestmöglichsten Noten. Andererseits würden wir als Versager gelten. Und wir müssen auch irgendwann einmal flügge werden und in eine Wohnung oder ein Haus ziehen, sonst würde man uns als unselbstständig und unfähig einstufen. Sollte sich unser Leben nicht so entwickeln, wie es andere für uns geplant haben oder es unser Traum ist, eine andere Art von Leben zu führen, wäre es nicht konform mit dem System. Und um diesen Ärger zu umgehen, beugen wir uns.

Dort, wo wir uns dem System am meisten beugen, ist die Arbeit. So leben wir nicht dort, wo es uns hinführt, sondern bleiben brav Zuhause und gehen jeden Tag arbeiten. Dort geben wir stets unser Bestes und verlieren dabei Zeit: Zeit zum Leben. Zeit, um seine Träume zu verwirklichen. Und Zeit, für das wichtigste, was man im Leben besitzen kann: Familie. Und warum? Damit wir uns unsere Wohnung, unser Auto, unser Essen und noch so mach ein Unsinn, den der Mensch eigentlich gar nicht brauchen würde, leisten können. Am Ende haben wir nichts gesparrt und müssen weiter arbeiten gehen. Tag für Tag, von morgens bis hin zum späten Nachmittag. Das Resultat: Wir arbeiten uns krank. Ist das wirklich der Sinn des Lebens? Wenn man nichts mehr erlebt, sondern nur noch arbeitet? Und der Druck steigt. Sich einfach bewerben und sein Bestes geben reicht schon lange nicht mehr aus. Man muss aus der Masse hervorstechen, der Beste sein. Kaum hat man die Stelle, wird von einem verlangt, dass man sich dafür "aufopfert". Wehe man ist einmal zu oft krank oder möchte sich ein paar Wochen oder Monate frei nehmen, um die Welt zu bereisen. Dann könnte es schon einmal vorkommen, dass man "ersetzt" wird.

Wir leben in einem System, in dem man entweder ein Rad sein muss 
oder unter die Räder gerät.
(Friedrich Nietzschke)

Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber mein Ziel war es nur, einen kleinen Denkanstoß zu geben, weshalb ich es jetzt dabei belassen werde. Danke für jeden, der sich die Zeit genommen hat, sich so einen langen Fließtext durchzulesen. Ich hoffe, du habt es nicht bereut.

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